Formulieren Sie die allgemeine Fouriersche Wärmeleitungsgleichung für instationäre Wärmeleitung und erklären Sie die Bedeutung jedes Terms! Allgemeine Gleichung:
ρ · cₚ · ∂T/∂t = ∇ · (λ ∇T) + q̇_Q
• ρ · cₚ · ∂T/∂t: Zeitliche Änderung der inneren Energie (Akkumulation)
• ∇ · (λ ∇T): Räumliche Wärmeleitung (Divergenz des Wärmestroms)
• q̇_Q: Wärmequellen/Senken im Bilanzraum
Für stationäre, quellenfreie Bedingungen: ∇ · (λ ∇T) = 0
Wie berechnet sich der Wärmedurchgangskoeffizient k für eine ebene mehrschichtige Wand und was bedeutet jeder Term der Gleichung? 1/k = 1/αᵢ + Σ(sⱼ/λⱼ) + 1/αₐ
• 1/αᵢ: Innenseitiger Wärmeübergangswiderstand
• sⱼ/λⱼ: Wärmeleitungswiderstand jeder Schicht j
• 1/αₐ: Außenseitiger Wärmeübergangswiderstand
Wichtig: k-Wert ist nur in Kombination mit einer Bezugsfläche A definiert als k·A!
Was ist die Temperaturleitfähigkeit a und wie unterscheidet sie sich von der Wärmeleitfähigkeit λ? a = λ / (ρ · cₚ) [m²/s]
• λ (Wärmeleitfähigkeit) [W/(m·K)]: Transportkapazität für Wärme
• a (Temperaturleitfähigkeit) [m²/s]: Geschwindigkeit der Temperaturausbreitung
Praxis: Hohe a bedeutet schnelle Temperaturangleichung (z.B. Kupfer: a ≈ 117×10⁻⁶ m²/s), niedrige a bedeutet langsame (z.B. Kork: a ≈ 0,11×10⁻⁶ m²/s)
Was bedeutet die dimensionslose Fourier-Zahl Fo bei instationären Prozessen und wann gilt ein System als "quasi-stationär"? Fo = a · t / L_C²
• Hohe Fo (> 0,2): Tiefes Eindringen der Temperaturänderung, System nähert sich Gleichgewicht
• Niedrige Fo (< 0,1): Nur oberflächliche Temperaturänderung
• Quasi-stationär: Fo ≫ 1 (Temperaturfeld hat sich praktisch stabilisiert)
Wie wird die Biot-Zahl definiert und wann darf die Lumped-Capacity-Methode angewendet werden? Bi = αₐ · L_C / λᵢ
• Bi < 0,5: Innerer Widerstand vernachlässigbar → Lumped-Capacity möglich
• Bi > 1: Innere Temperaturgradienten bedeutsam → Vollständige DGL lösen nötig
Lumped-Capacity: Temperatur im Körper ist nur zeit-, nicht ortsabhängig (T = f(t), nicht T = f(x,t))
Beschreiben Sie die vier Bereiche im Nukiyama-Diagramm für Behältersieden und welche Betriebszustände kritisch sind! A: Stilles Sieden — Freie Konvektion, keine Blasen → Sicher
B: Blasensieden — Einzelne Blasen, hoher α-Wert → Optimal (höchste Wärmeübertragung!)
C: Instabil — Übergang zum Filmsieden, schwankend → Gefährlich!
D: Filmsieden — Stabiler Dampffilm isoliert → Sehr gefährlich! (Materialüberhitzung)
Kritischer Punkt: Maximaler Wärmestrom vor Filmübergang → nicht überschreiten!
Welche zwei Formen der Kondensation auf festen Oberflächen gibt es und welche liefert den besseren Wärmeübergang? Filmkondensation: Kondensat bildet durchgehenden Film → Niedrigerer α-Wert (Film isoliert)
Tropfkondensation: Kondensat als einzelne Tropfen → 5-10× höherer α-Wert (weniger Isolierung!)
Praxis: Tropfkondensation schwer zu realisieren (Oberflächenbeschaffenheit kritisch), daher meist Filmkondensation im Betrieb
Warum ist Fouling ein wirtschaftliches Problem und wie berücksichtigt man es in der Berechnung? Problematik:
• Zusätzlicher Wärmeübergangswiderstand → niedrigere k-Werte
• Höhere Druckverluste durch Ablagerungen
• Geplanter Wärmestrom wird nicht erreicht
• Erhöhte Reinigungs-/Stillstandskosten
Berücksichtigung:
1/k_ges = 1/k' + R_F,i + R_F,a
• R_F: Fouling-Widerstand (Werkstoff-, Temperatur-abhängig)
• Wird im Auslegungsdesign als Sicherheitsreserve eingeplant!